»Worpsweder Nebenwege«

Mythen erweisen sich als äußerst beständig. Weder sozialer Wandel noch technischer Fortschritt kann ihnen etwas anhaben. So verhält es sich auch mit dem »Mythos Worpswede«. Die Bilder und Erzählungen vom Ort, seinen Mooren, seinem Klima, seiner Siedlungsgeschichte, seinen Bauten, seiner Künstlerinnen und Künstler haben sich zu einem feinen Gewebe verdichtet, dessen genaue Struktur und Kontur keiner kennt. Die »Worpsweder Nebenwege« fragen: Was hat es mit diesem Mythos auf sich? Zu welchen Vorstellungen und Hoffnungen gibt er Anlass? Welchen Einfluss hat er auf unsere Wahrnehmung? Wie verhält sich ein aufgeklärtes modernes Wesen gegenüber dem Mythos?

Diese und ähnliche Fragen stellten sich die Architekturstudierenden des Masterprojekts »Worpswede: Natur-Kunst-Gemeinschaft« der RWTH Aachen. Gegenstand ihrer Feldforschungen war weniger die Einheit und Unwandelbarkeit der mythischen Erzählung des Ortes, sondern die Vielfalt seiner ganz offensichtlichen oder auch verborgenen Details und Facetten. Dreierlei Methoden kamen bei den Untersuchungen zum Einsatz: Der erste Ansatz ist ein empirischer. Ausgehend von präzisen Fragestellungen suchten die Studierenden nach Spuren und Indizien für mögliche Antworten. Der zweite Ansatz geht von Fundstücken aus, deren Bedeutungsgehalt erkannt und durch neue Bezüge erweitert wurde. In einem dritten Ansatz werden bestimmte Aspekte der Wirklichkeit in einem fiktionalen Zusammenhang neu dargestellt.

Die Ergebnisse der Untersuchungen wurden in Form von thematischen Reiseführern aufbereitet: die »Worpsweder Nebenwege«. Mit ihrer Hilfe ist es möglich, das Künstlerdorf, seine Farben, Materialien, Geräusche und Landschaften zu erkunden. Die alternativen Spaziergänge sollen anstiften, dem Ort Neues zu entlocken oder Altbekanntes neu zu sehen. Vor allem laden die »Worpsweder Nebenwege« die Spaziergängerinnen und Spaziergänger dazu ein, ihre eigene Wahrnehmung zu befragen und möglicherweise dadurch ihre eigene Erfahrungen und Verständnisse zu erweitern.

 

 

Impressum

Konzept und Betreuung:
Prof. Axel Sowa, Zhen Zhang, Andjelka Badnjar Gojnić
Lehr- und Forschungsgebiet Architekturtheorie an der Fakultät für Architektur, RWTH Aachen

Autoren:
Deniz Yashar Adel, Simon Martin Bauer, Kwangyoung Chung, Smina Franziska Gahlen, Eva Stoyanova Georgieva, Vanessa Kucharski, Kai Philipp Kumano, Yan Lu, Jessica Ortín Roth, Denis Schild, Jonas Julian Siegel, Iokasti Sotiria Thivaiou, Paloma Zacharias

Buchbindung:
Kurt Schnürpel

Metallarbeiten:
Michael Staack

Betreuung für Holzbau:
Jochen Dahlhausen

Konzeption und Produktion für die Charrette:
Prof. Axel Sowa mit Jonas Julian Siegel

Studentische Hilfskraft für die Produktion:
Céline Stadler

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